Frühjahr 2012: Wirtschaftslage und Finanzierung im Mittelstand

  • CreditreformStimmungslage im Mittelstand weiterhin gut.
  • Zurückhaltung nimmt zu.

Die Stimmungslage in der mittelständischen Wirtschaft ist trotz der unsicheren wirtschaftlichen Entwicklung Europas sehr gut.

58,6 Prozent der befragten Betriebe beantwortet die Frage nach der aktuellen Geschäftslage mit “sehr gut” oder “gut”. Damit hat sich dieser Anteilswert im Vergleich zum Vorjahr (53,0 Prozent) noch einmal deutlich erhöht.

Die Noten “mangelhaft” oder “ungenügend” wurden seltener vergeben als im Vergleichszeitraum des Vorjahres (3,8 Prozent) – nur noch 3,2 Prozent der Firmen waren mit ihrer derzeitigen Situation unzufrieden. Somit erreicht der Saldo der Geschäftslage, der aus positiven und negativen Bewertungen gebildet wird, mit plus 55,4 Punkten einen neuen Höchststand (Vorjahr: plus 49,2 Punkte).

Dies ist das Ergebnis der Creditreform Frühjahrsbefragung im März dieses Jahres, im Rahmen derer rund 4.100 kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland um ihre Einschätzung zur aktuellen Wirtschaftslage, zu den Geschäftserwartungen sowie zu Finanzierungsbedingungen und zur Eigenkapitalausstattung gebeten wurden.

Wirtschaftslage und Finanzierung im Mittelstand, Frühjahr 2012

Wirtschaftslage und Finanzierung im Mittelstand, Frühjahr 2012 (Quelle: Creditreform)

 

Auftrags- und Umsatzentwicklung mit leichter Delle

Entgegen der positiven Entwicklung der Geschäftslage haben sich die Auftrags- und Umsatzentwicklung etwas eingetrübt: So konnte nur noch rund jeder vierte Mittelständler(26,3 Prozent) steigende Auftragseingänge verbuchen – im vergangenen Jahr war es noch jeder dritte (33,0 Prozent). Bei 18,8 Prozent der Betriebe hat sich die Auftragslage verschlechtert (2011: 14,8 Prozent).

Zwar meldeten 25,4 Prozent der mittelständischen Betriebe ein Umsatzplus, allerdings hat dieser Anteilswert im Vergleich zum Vorjahr (32,7 Prozent) um rund sieben Prozent abgenommen. Gleichzeitig hat der Anteil der Unternehmen zugenommen, die sinkende Umsatzzahlen zu beklagen hatten: von 19,5 Prozent im Vorjahr auf aktuell 22,3 Prozent.

Somit notiert der Saldo der Umsatzzuwächse und -rückgänge mit plus 3,1 Punkten niedriger als im letzten Jahr (plus 13,2 Punkte). Dennoch stellt dies seit 1996 den zweitbesten Umsatzsaldo dar, der im Rahmen der Creditreform Frühjahrsbefragung erreicht wurde.

Arbeitsmarkt zeigt sich robust

Der Arbeitskräftebedarf ist nicht ganz so groß wie im letzten Jahr. Damals hatten immerhin 24,3 Prozent der Unternehmen neue Mitarbeiter eingestellt. Der Anteil der Betriebe, die sich von einem Teil ihrer Belegschaft getrennt hatten, lag bei 11,1 Prozent. 63,6 Prozent der Mittelständler hielten die Belegschaftsgröße unverändert. Dennoch zeigt sich der Arbeitsmarkt für ein Winterhalbjahr relativ robust.

So hat der Mittelstand auch im Winter 2011/12 einen positiven Beschäftigungsbeitrag geleistet: Einem Anteil von 23,2 Prozent an einstellungsfreudigen Betrieben standen 11,1 Prozent der Unternehmen gegenüber, die in den letzten Monaten Entlassungen vorgenommen haben. Zwei Drittel der Befragten (65,7 Prozent) haben ihren Personalstock unverändert belassen. Dabei geht der Trend derzeit zur Volleinstellung: In acht von zehn Fällen (80,4 Prozent) verstärkte man sich mit Mitarbeitern auf Vollzeitbasis (Vorjahr: 76,6 Prozent).

Konjunkturelle Dynamik trotz eines spürbaren Rückgangs der Umfragewerte intakt

Die Umsatzerwartungen sind immer noch aufwärts gerichtet, auch wenn die befragten Unternehmen der künftigen Entwicklung nicht mehr ganz so optimistisch entgegenblicken wie vor Jahresfrist. 37,6 Prozent der mittelständischen Betriebe rechnen mit einem Umsatzanstieg, nachdem im Frühjahr 2011 noch 43,9 Prozent ein Umsatzplus erwarteten. Dagegen befürchtet nur jeder zehnte Unternehmer Umsatzrückgänge; im vergangenen Jahr lag dieser Wert bei 7,1 Prozent.

Der Saldo aus optimistischen und pessimistischen Umsatzerwartungen bleibt somit unter seinem bisherigen Höchstwert aus dem Vorjahr (plus 36,8 Punkte) und notiert nun bei 27,6 Punkten. Das Beschäftigungswachstum in der mittelständischen Wirtschaft dürfte in den kommenden Monaten weiter anhalten. So wird der Personalstand im Mittelstand per Saldo wachsen und einen Beschäftigungsbeitrag für den deutschen Arbeitsmarkt leisten.

Aktuell beträgt der Saldo aus geplanten Einstellungen und Entlassungen plus 17,2 Punkte und damit rund drei Zähler weniger als im Vorjahr (plus 20,4 Punkte). Den größten Personalbedarf haben die großen Mittelständler mit mehr als 250 Mitarbeitern angemeldet. 38,9 Prozent der Unternehmen in diesem Segment wollen in den nächsten Monaten mehr Personal einstellen.

Die Investitionsneigung im Mittelstand ist leicht rückläufig: Nachdem im Frühjahr 2011 noch bei 53,4 Prozent der Befragten Investitionspläne für das kommende halbe Jahr bereitlagen, sind es in diesem Jahr nur noch 50,6 Prozent. Allerdings liegt dieser Anteilswert fünf Prozentpunkte über dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre (45,7 Prozent).

Dabei will fast jeder zweite Mittelständler (45,5 Prozent) mehr Geld für Investitionen in die Hand nehmen (Vorjahr: 53,8 Prozent). Offenbar sieht der Mittelstand auch weiterhin Wachstumschancen. So planen 50,6 Prozent der Befragten, in die Ausweitung ihrer Produktionskapazitäten zu investieren.

Ertragslage eingetrübt – mehr Betriebe solide finanziert

Die Ertragslage im Mittelstand hat sich eingetrübt. Nur noch 18,4 Prozent der Betriebe konnten Gewinnzuwächse verzeichnen. Im letzten Jahr hatten noch 22,9 Prozent von steigenden Erträgen berichtet. Dagegen hat der Anteil der Unternehmen, die sich über Gewinnrückgänge beklagten, zugenommen: von 24,1 auf derzeit 28,6 Prozent. Jeder zweite Mittelständler (52,6 Prozent) meldete eine stabile Ertragslage (Vorjahr: 51,6 Prozent).

Für die kommenden Monate werden überwiegend Gewinnsteigerungen erwartet: Fast ein Drittel der Befragten (30,5 Prozent) rechnet mit höheren Gewinnen, während 16,9 Prozent ein Ertragsminus erwarten. Somit ergibt sich ein Saldo aus positiven und negativen Ertragserwartungen von plus 13,6 Punkten. Jedoch wird die zukünftige Ertragsentwicklung pessimistischer eingeschätzt als im Vorjahr: Damals betrug der Saldo plus 24,4 Punkte.

Seine Eigenkapitalbasis hat der Mittelstand weiter gestärkt. Während im Frühjahr 2011 nur 27,1 Prozent der Befragten über eine Eigenkapitalquote von über 30 Prozent im Verhältnis zur Bilanzsumme verfügten, waren es in diesem Jahr bereits 28,2 Prozent. Der Anteil der Betriebe mit einer schwachen Kapitalisierung (Eigenkapitalquote weniger als zehn Prozent) ist dagegen konstant bei 29,9 Prozent geblieben.

Finanzierungszugang geteilt

Beim Zugang zur Unternehmensfinanzierung ergibt sich ein geteiltes Bild: Während 43,0 Prozent der Unternehmen der Ansicht sind, dass sich die Finanzierungsbedingungen in den letzten Monaten verschärft haben, sind die Finanzierungsbedingungen für 42,7 Prozent der Betriebe unverändert geblieben. Dabei beklagte nur rund jeder zehnte Betrieb (10,6 Prozent), dass sein Kreditwunsch vom Finanzinstitut abgelehnt wurde.

Die Schwierigkeiten beim Fremdkapitalzugang äußern sich nach Angabe der befragten Betriebe in erster Linie im Wunsch der Kreditgeber nach mehr Sicherheiten (86,6 Prozent). Weitere 34,1 Prozent der Unternehmen haben höhere Zinsen zahlen müssen.

Die Finanzierungsbedingungen dürften sich in der Zukunft etwas entspannen, so dass eine Kreditklemme kein Thema zu sein scheint: 16,5 Prozent der befragten Mittelständler erwartet bei der Fremdkapitalaufnahme der nächsten Monate keine Probleme. Nur 8,9 Prozent der Mittelständler erwarten eine Ablehnung ihres Kreditantrags. (Quelle: Creditreform Karlsruhe Bliss)

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